Schlafwandeln

Das Schlafwandeln wird auch als „Somnabulismus“ bezeichnet, und stellt eine Unterbrechung des Tiefschlafs dar. Die Betroffenen setzen sich im schlafenden Zustand auf, reden oder laufen sogar umher und führen Tätigkeiten aus.

Das alles geschieht jedoch während sich der Schlafwandler in einer Art Dämmerzustand befindet. Er kann dabei die Umgebung wahrnehmen, hat aber keine Bewusstseinsklarheit.

Dieser sich wiederholende Vorgang kann einige Sekunden, oder auch länger als eine Stunde andauern – doch was passiert dabei im Körper, was sind Ursachen, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie gefährlich ist das Ganze überhaupt?

Inhaltsverzeichnis

Was passiert im Körper?

Beim Schlafwandeln wird der Tiefschlaf durch eine Aufwachstörung bzw. Schlafstörung unterbrochen – der sogenannte „Nachtschreck“. Dieser äußert sich durch ungewöhnliche Verhaltensweisen wie plötzliches Aufwachen mit Herzrasen und teilweise schreit der Betroffene auch. Manche Schlafwandler zeigen sich verwirrt und schauen sich desorientiert um. Danach verlassen sie das Bett.

Dies alles geschieht in der Non-REM-Phase des Schlafs, zu dem der Leicht- und der Tiefschlaf zählt. Während des Schlafwandelns lassen sich die Betroffenen nur schlecht aufwecken, sind nicht reaktionsfähig und können sich am nächsten Morgen an nichts davon erinnern.

Vermutlich entsteht das Schlafwandeln dadurch, dass sich Teile des Gehirns (wie z.B. die Areale für Bewegungsabläufe) im Wachzustand befinden, während andere (wie bspw. Areale für das Speichern von Erinnerungen und Areale für das Ausführen von Interaktionen) nicht aus dem Tiefschlaf erwachen. Dies erklärt das Herumlaufen, aber auch dass die Betroffenen nicht ansprechbar sind.

Das spontane Aufwachen entsteht oft durch Außenreize bzw. suggestive Einflussnahmen von außen, die hypnotisch wirken und zu einer schnelleren Weckreaktion führen. Ein weiterer Erklärungsansatz ist, dass die Betroffenen über einen weniger stabilen Tiefschlaf verfügen und so schneller auf Reize reagieren (Dysregulation des Tiefschlafs).

Da wesentlich mehr Kinder (ca. 30%) als Erwachsene (1-4%) betroffen sind und das Schlafwandeln meist nach der Kindheit stoppt, ist zu vermuten, dass es sich um ein Phänomen des noch reifenden Gehirns handelt.

Was sind die Ursachen?

Genaue Ursachen sind noch nicht bekannt, jedoch wurde beobachtet, dass es in manchen Familien zu Häufungen kommt, was auf genetische Faktoren schließen lässt. Da oft Kinder betroffen sind und das Schlafwandeln im Jugendalter aufhört, wird vermutet, dass der Grund dafür ein unreifes zentrales Nervensystem ist. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit für Kinder von Schlafwandlern ebenfalls betroffen zu sein, sehr hoch.

Zu möglichen Auslösern zählen Stress, psychosoziale Belastungen, Schichtarbeit, die Einnahme von bestimmten Medikamenten und der Konsum von Alkohol und Drogen. Schlafwandel kann auch von länger anhaltendem Schlafmangel, Fieber, neurologischen Störungen und Depressionen begünstigt werden.

Wie gefährlich ist das Schlafwandeln tatsächlich?

Der Schlafwandler verspürt keine Angst, obwohl er sich in riskante Situationen begibt, da der Abschaltmechanismus für motorische Programme nicht funktioniert. Man sollte Schlafwandlern ruhig zusprechen und sie, selbst wenn es schwerfällt, nicht ruckartig wecken!

Während es sich bei Betroffenen bis zu 25 Jahren oft um einen Ausreifungsdefizit des Gehirns bzw. fehlerhafte Verschaltungen der Nervenzellen im Gehirn handelt, könnte das Schlafwandeln bei Erwachsenen auf ernsthafte Erkrankungen des Gehirns hinweisen. Sie sollten also unbedingt einen Arzt aufsuchen!

Wie kann man vorbeugen und welche Sicherheitsvorkehrungen kann man treffen?

Um Gefahren vorzubeugen ist es zu empfehlen gefährliche Gegenstände wegzuräumen, Außentüren sowie Fenster zu verschließen und Barrieren wie z.B. einen Alarm einzurichten. Außerdem ist es ratsam Stress abzubauen, bspw. durch ein Entspannungsverfahren wie autogenes Training.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt keine Heilungsmöglichkeiten für das Schlafwandeln, jedoch empfehlen Therapeuten eine „Schlafhygiene“ einzuführen. Das Ziel der Schlafhygiene ist es, einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus aufzubauen. Dazu gehört es regelmäßig und ausreichend zu schlafen, um einen Schlafmangel vorzubeugen. Dabei können Einschlafrituale und ein regelmäßiges Zubettgehen helfen.

Außerdem ist Stress zu vermeiden, da er ein Auslöser für das Schlafwandeln sein kann. Das bedeutet, dass man sich vor dem Einschlafen möglichst wenigen äußeren Reizen aussetzen, und Aufwühlendes vermeiden sollte. Dazu zählen bspw. das Fernsehen sowie ein abendlicher Alkoholkonsum.

Ärzte vermuten, dass es sich bei einer der Ursachen auch um unverarbeitete psychische Konflikte handeln könnte, welche mit Psychotherapie zu behandeln wären. Wenn es sich bei dem Auslöser jedoch um eine Erkrankung handelt, sollte diese behandelt werden.

Wenn alle dieser Lösungsansätze versagen und das Schlafwandeln eine ernsthafte Gefahr für den Körper des Betroffenen darstellt, wird meist medikamentös behandelt. Der Einsatz von Medikamenten ist in diesem Fall jedoch umstritten, da es bei einer längerfristigen Anwendung zu einer Abhängigkeit kommen kann.

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