Zeitumstellung und Schlaf

Die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit und wieder zurück wird nicht nur von Biologen und Politikern jährlich aufs Neue diskutiert. Welche Folgen hat die Zeitumstellung auf uns? Wir gehen der Frage nach!

Inhaltsverzeichnis

Welche Folgen kann die Zeitumstellung haben?

Durch die Umstellung auf die Sommerzeit wird es morgens später hell und abends später dunkel. Die Absicht, die seit der Einführung in Deutschland 1980 bezweckt werden sollte, war, dass das Tageslicht effizienter genutzt und somit Energie gespart werden sollte. Dies ist heute umstritten – in Sachen Energie konnten bisher nur sehr geringfügige Änderungen (sowohl Einsparungen als auch Zusatzverbrauch) ermittelt werden. Das liegt in Teilen sicherlich auch an geografischen, klimatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten.

Gravierender klingen die Effekte, die die Bevölkerung beschreibt: Viele klagen über die Nachteile der „gestohlenen“ Zeit. Eine Stunde mehr oder weniger Zeit zu haben, kann einen großen Unterschied machen – besonders für stressgeplagte Menschen. Viele Menschen haben durch die Zeitumstellung vermehrt mit gesundheitlichen Problemen wie Schlafstörungen und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag vermutet zudem auch Produktivitätseinbußen in bestimmten Branchen. Im Bereich der Tierhaltung würden Melk- und Fütterungszeiten angepasst, um die Tiere schrittweise an die „neue“ Zeit zu gewöhnen.

Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf den Schlaf?

Die Zeitumstellung hat Einfluss auf unsere innere Uhr – das System von körpereigenen biologischen Rhythmen des Menschen. Das System steuert z.B. den Schlaf-/Wach-Rhythmus, den Blutdruck, die Hormonproduktion, den Stoffwechsel und die Gehirnleistung. Der Wissenschaftszweig, der sich damit auseinandersetzt, heißt Chronobiologie.

Die Zeitumstellung kann diese biologische Uhr kurzfristig durcheinanderbringen. Während einige biologische Rhythmen wie der Schlaf sehr empfindlich und sogar über die gesamte Sommerzeitperiode auf die Uhrenumstellung reagieren können, scheinen andere gar nicht betroffen zu sein. Der Schlaf-/Wach-Rhythmus ist häufig betroffen, denn die innere Uhr richtet sich maßgeblich nach dem Tageslicht. Wird es also später hell, dann beginnt der Tag der inneren Uhr auch später. Folglich verschiebt sich der gesamte der Schlaf-/Wachrhythmus. Wir gehen später zu Bett, weil das Schlafhormon Melatonin später ausgeschüttet wird (nämlich nach Verschwinden des Tageslichts). Wir stehen dennoch am nächsten Tag zur gleichen Zeit (laut Wecker) auf – uns fehlt eine Stunde. Das Resultat: Anpassungsschwierigkeiten, eine verkürzte Schlafdauer und/oder verminderte Schlafqualität. Betroffen sind hiervon v.a. Büroangestellte, während Menschen, die im Freien arbeiten, weniger damit zu kämpfen haben. Welche Wirkungen die Zeitmanipulation auf Menschen mit Schlafstörungen haben, ist nicht bekannt.

Insbesondere die Umstellung auf die Sommerzeit im März, die uns eine Stunde nimmt, macht der inneren Uhr mehr zu schaffen, als man es noch vor Jahren angenommen hat. Und das ist nicht zu unterschätzen: Die innere Uhr beeinflusst uns in jedem Augenblick. Neue Erkenntnisse verweisen darauf, dass der Anpassungsprozess „selbst binnen vier Wochen nach der Umstellung möglicherweise nur unvollständig gelingen kann“, so das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Dies sei auch Typsache: Manche Menschen tun sich damit schwerer.

Die oft beschriebenen Wirkungen auf das Leistungsvermögen und auch auf die Psyche konnten dabei nicht bestätigt werden. Allerdings belegten empirische Studien eine Reduktion in der selbstberichteten Lebenszufriedenheit von Befragten in der Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit.

Warum wird die Regelung nicht einfach angepasst?

Eine Befragung der EU-Kommission ergab im Februar 2019, dass über 80 Prozent sich die Abschaffung der Zeitumstellung wünschen. Doch das ist nicht so einfach, wie es klingt. Die Zeitumstellung betrifft alle EU-Mitgliedstaaten. Mit der gemeinsamen Regelung sollte eine einheitliche Zeitregelung der Nachbarstaaten erzielt werden. Aktuell existieren in der EU die mittlere Greenwich-Zeit, die mitteleuropäische Zeit und die osteuropäische Zeit. Eine Änderung der Zeitregelung könnte zu einem Durcheinander für den Binnenmarkt führen.

Mit dem Beschluss des Europaparlaments am 26. März 2019 wurde die erste Hürde für die Abschaffung der Sommer- und Winterzeit genommen. Von jetzt an gilt es, einen Kompromiss für eine einheitliche Regelung zu finden. Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und -medizin befürwortet eine dauerhafte Winterzeit.

Was tun bei Schlafproblemen durch die Umstellung? - 5 Tipps

Natürlich reagiert jeder anders auf die Zeitumstellung. Ein paar Tipps, wie man sich die Anpassung ein Stück leichter machen kann, gibt es dennoch.

  • Raus ans Licht: Die innere Uhr ist vom Tageslicht abhängig. Besonders Büroangestellte sollten das Tageslicht nutzen, um Energie und frische Luft zu tanken – aber auch, um den Körper an die neue Zeit zu gewöhnen. Licht ist übrigens auch verantwortlich für gute Laune. Ein Spaziergang in der Mittagspause oder gleich nach der Arbeit ist also nicht nur für einen gesunden Schlaf ideal.
  • Schlafrhythmus einhalten: Auch wenn es schwerfällt, sollte der übliche Schlafrhythmus eingehalten werden. Das bedeutet: Wer seine 8 Stunden Schlaf benötigt, sollte auch bei der Umstellung auf die Sommerzeit, die uns eine Stunde nimmt, rechtzeitig ins Bett gehen, um genügend Schlaf zu haben.
  • Licht als Weckreiz: Etwas Hartgesottenere verzichten in den Nächten nach der Umstellung auf die Abdunkelung im Schlafzimmer durch Rollladen, Vorhänge und Rollos und wachen dadurch mit Aufgang der Sonne auf. Das geht natürlich nur, wenn der Sonnenaufgang zu der Weckzeit passt.
  • Einschlafschwierigkeiten? Dann können manche kleine Hausmittelchen wahre Wunder bewirken. Tees mit z.B. Baldrian oder Melisse fördern die Entspannung vor dem Schlafengehen. Auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke sollte man in der Anpassungszeit nach Möglichkeit verzichten.
  • Sport: Ähnlich wie der Spaziergang, wirkt auch der Sport. Wer mit Sport den Körper aktiviert, fühlt sich anschließend frischer und entspannter. Ideal für die Nachtruhe! Und die sportliche Betätigung macht müde – das sollte einen guten Schlaf fördern.

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