Die richtige Fütterung von Pferden

Die korrekte Fütterung des Pferdes weißt oft viele Fragen auf, da es viele unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Dieses Thema wird immer sehr heiß diskutiert und bringt auch gerne mal die einen oder anderen Gemüter zum hochkochen. Dadurch kann man auch schnell mal verwirrt werden. Damit dies Ihnen nicht passiert, haben wir ein paar grundlegende Infos zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zum Futter

Um sich ein genaues Bild davon machen zu können, was für ein Futter Ihr Pferd benötigt, sollten wir uns erst einmal anschauen, was es in der freien Natur frisst. In der freien Wildbahn legen Pferde oftmals täglich viele Kilometer zurück und nehmen dabei ununterbrochen Futter auf. Daher ist der Organismus eines Pferdes auf permanente Futterausnahme ausgelegt. Die Natur bietet eine Vielfalt an Pflanzenfasern und Kräutern zum fressen.

Projizieren wir dies nun auf die heutigen Standards in der Stallhaltung, besteht der Hauptbestandteil der Nahrung eines Pferdes aus den getrockneten Pflanzenfasern (Gras), welches zu Raufutter (Heu, Stroh, Silage) verarbeitet wird.

Die unterschiedlichen Futterarten

  1. Raufutter ist das Grundfutter in der Pferdefütterung. Dahinter versteckt sich der Sammelbegriff für Heu, Stroh, Heulage und Silage. Hier ist allerdings zu beachten, dass sich nicht jedes dieser Futtermittel für Ihr Pferd eignet. Daher sollten Sie besser nur auf Heu zurückgreifen. Qualitativ gutes Heu lässt sich an seiner hellgrünen Farbe und seinem aromatischen Geruch erkennen. Dieses sollte nach Möglichkeit dem Pferd permanent (24 Stunden) zur Verfügung stehen. Heulage sowie Silage wird gerne als Alternative zu Heu genutzt, wenn Ihr Pferd unter Atemwegsproblemen leidet. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass durch dieses Futter, welches mit Milchsäurebakterien hergestellt wird, die Darmflora des Pferdes stören kann. Dies führt dann zu Krankheiten wie Durchfall, Kotwasser oder sogar Koliken. Deswegen wird alternativ empfohlen, dass Heu zu befeuchten bzw. sogar zu dampfen, um die Staubbildung zu verringern. Ein weiteres Raufutter, welches aber gerne vergessen wird, ist Stroh. Es wird zwar hier und da noch gerne als Einstreu der Boxen verwendet, allerdings gibt es auch hier mittlerweile einige Alternativen. Sollte Ihr Pferd also nicht auf Stroh stehen, sorgen sie trotzdem dafür, dass Stroh einen kleinen Teil ihres Ernährungsplan einnimmt. Denn Stroh beschäftigt die Pferde nicht nur länger, weil es nur langsam gegessen werden kann, sondern wirkt durch seine hohe Menge an Ballastoffen und wenigen Nährstoffen sehr positiv auf die Verdauung aus.
  2. Unter Saftfutter versteht man frische Futtermittel mit einem hohen Wasseranteil. Zu dieser Gruppe gehören Gras, Rüben und anderes Obst und Gemüse. Sollte Ihr Pferd keinen Zugang zu frischem Weidegras haben, ist die Zugabe von Saftfutter in Form von Rüben, Obst oder Gemüse empfehlenswert. Um die Gefahr des Verschluckens beim Fressen zu verhindern, sollte man das Saftfutter immer in längliche Stücke schneiden. Sehr beliebt in dieser Kategorie sind Karotten. Sie fördern nicht nur die Darmaktivität und stärken die Abwehrkräfte, sondern sind voller wertvoller Vitamine und Karotin. Neben Möhren mögen viele Pferde auch gerne Äpfel, Futterrüben und sogar manchmal Fenchel sowie Rote Beete. Auch werden gerne mal Bananen und Birnen verfüttert. Hierbei ist zu beachten, dass Sie mit Birnen sparsam umzugehen, da diese aufblähend wirken und Koliken verursachen können. Rübenschnitzel von der Zuckerrübe sind in den kalten Monaten eine praktische Alternative zum frischen Saftfutter. Diese regen nicht nur den Appetit an, sondern helfen Ihrem Pferd bei der Gewichtszunahme und sind ein super Energiespender mit leicht verdaulichen Pektinen. Bei der Zubereitung der Rübenschnitzel ist jedoch Vorsicht geboten, diese nicht zu kurz oder zu lange quellen zu lassen. Darüber hinaus sollte dieses Futtermittel auch nicht in Massen verfüttert werden, da es sonst zu einem Phosphor-Mangel kommt.
  3. Ein typisches Kraftfutter sind nach Hafer, Mais und Gerste auch Pellets, Müsli sowie Vitamin- und Mineralfutter. Hierbei ist zu beachten, die Menge an Kraftfutter an die Leistungen des Pferdes anzupassen. Zum Beispiel benötigen Freizeitpferde meist nur etwas Mineralfutter. Währenddessen macht es bei Turnierpferden und Zuchtstuten Sinn, die kontinuierliche Eiweißzufuhr zu gewährleisten und somit einen höheren Energiespiegel halten zu können. Aber selbst hier sollte man darauf achten, nicht zu viel Kraftfutter zu füttern. Welche Menge Ihr Pferd benötigt, entnehmen sie entweder der empfohlenen Mengen des Futterherstellers oder besprechen dies mit Ihrem Tierarzt.

Welches Kraftfutter ist das richtige für Ihr Pferd?

Kraftfutter ist nicht gleich Kraftfutter. Hier unterscheiden wir auch in unterschiedliche Arten:

  • Hafer ist der sogenannte Klassiker unter den Kraftfuttermitteln. Früher wurde er meist nur den Acker- und Arbeitspferden verfüttert, um den hohen Energiebedarf schnell und kostengünstig aufrechtzuerhalten. Heutzutage wird das Getreide auch gerne für die Pferdfütterung genutzt, da er viel verträglicher ist als z.B. Weizen oder Roggen. Somit ist er ideal für das empfindliche Verdauungssystem von Pferden.
  • Gerste und Mais besitzen zwar einen hohen und konzentrierten Energieanteil, aber die darin enthaltende Stärke mindert die Darmtätigkeit Ihres Pferdes und ist unbehandelt ein eher ungeeignetes Futtermittel. Daher werden die beiden Getreidesorten hydrothermisch vorbehandelt und so in einer leicht verträgliche Flockenform gefüttert. Besonders gut an diesen Flocken ist, dass man diese ganz leicht unter anderes Futter mischen kann. Diese geben Ihrem Pferd einen kleinen Energiekick.
  • Bei Müsli und Pellets handelt es sich ausschließlich um eine Mischung aus verschiedenen energiereichen und verdauungsfördernden Futtermitteln. Hier werden gerne verschiedene Getreidearten mit Leinschrot kombiniert. Was Sie nun Letzen Endes Füttern wollen, bleibt also Ihnen überlassen. Fakt ist, dass ihr Pferd am Müsli länger kauen muss, als an Pellets, was natürlich besser für die Verdauung ist.

Diese Dinge sollten Sie niemals füttern!

Diese Lebensmittel sollten Sie Ihrem Pferd nicht füttern:

  • Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Paprika – vor allem nicht die Blätter und Stängel (Nachtschattengewächse sind giftig für Pferde)
  • Milchprodukte (Laktose kann von Pferden nicht verarbeitet werden – Durchfallgefahr)
  • Schokolade, Chips, Eis und Ähnliches (Zucker, Theobromin, Laktose – alles keine geeigneten Lebensmittel für Pferde)
  • Kohlgemüse (wirkt aufblähend)
  • Geschnittenes Gras (Giftpflanzen können nicht erkannt werden, Schimmelgefahr, kann Schlundverstopfungen auslösen)

Merkzettel Pferdefütterung

  • Raufutter vor Kraftfutter! Das gründliche Kauen des Raufutters sorgt dafür, dass der Verdauungstrakt bereit ist, das stärkehaltige Kraftfutter zu verarbeiten. Durch Speichelfluss sowie Sekretbildung werden die Magen- und Darmaktivitäten angeregt.
  • Heunetze bitte nicht zu hoch aufhängen! Am liebsten fressen die Pferde Heu vom Boden, wie in der freien Natur. Bei einem zu tief aufgebrachten Heunetz ist die Gefahr vor Verletzungen viel zu hoch. Tröge und Tränken sollten nach der Leitlinie zur Pferdehaltung in Bodennähe angebracht werden. Die maximale Höhe errechnet sich auf der Formel 0,3 x Widerristhöhe Ihres Pferdes.
  • Kraftfutter sollte den Tag über in drei Rationen aufgeteilt werden
  • Stärke aus Gerste oder Mais sollte mithilfe von Wasserdampf oder Druck „aufgeschlossen“ werden (Flockenform), damit diese besser aufgenommen werden kann.
  • Raufutterration richtig bestimmen: 1,2 bis 2 Kilogramm Raufutter pro 100 Kilogramm  Körpergewicht des Pferdes sind das Minimum. D.h. für ein 600 Kilogramm-Warmblut benötigen wir pro Tag 7,2 bis 12 Kilo Heu und Stroh. Das dient gleichzeitig als Beschäftigung
  • Öl ist ein super Energielieferant und sehr viel besser verdaulich als Kraftfutter. Geeignet sind Soja-, Sonnenblumen-, Raps, Weizenkeim- und Leinöl. Kokosfett kann auch gerne gefüttert werden. Achtung: Zu viel Öl kann die Dickdarmflora negativ beeinflussen. Das Maximum an Öl ist ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei Mahlzeiten. Bei 600 Kilogramm Körpergewicht kann das Pferd also 200 Gramm Öl pro Mahlzeit erhalten

Fazit

Auf der einen Seite ist eine artgerechte Pferdefütterung einfach, auf der anderen Seite kann sie den Halter aber auch vor Herausforderungen stellen.

Einfach kann die Fütterung sein, weil es im Grunde genommen ausreicht, sein Pferd mit gutem Raufutter (Heu, Gras, Stroh), bei Bedarf ein paar Kräuter und optional, zur Belohnung, ein bisschen Obst zu füttern. Bei hoher Belastung empfiehlt es sich ebenfalls noch Kraftfutter zu füttern.

Eine Herausforderung kann die Fütterung sein, weil es nicht so leicht ist, eine gute Balance aus den ganzen Futterarten zu finden. Die Qualität ist hier ein sehr wichtiger Punkt. Ebenfalls stellt ein pausenloser Zugang zu Futter für manche ein großes Problem dar.

Als Pferdebesitzer sollten sie sich zumindest ein bisschen über das Verdauungssystem des Pferdes und seine Futterbedürfnisse informieren. Achten Sie bitte darauf, dass möglichst kein Zucker, Konservierungsstoffe und Co. im Futter enthalten sind. Um herauszufinden, was Ihr Pferd konkret braucht, holen sie sich Informationen von einem Tierarzt, Futterberater oder Heilpraktiker ein. Bitte hierbei auf eine seriöse Ausbildung und Berufserfahrung achten.

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